Die Toten Hosen & ich

Grüne Haare, rauchende Baracken und das Ende einer Ära:

Anfang der 80er Jahre. Mit Mopeds und Jeanskutte waren wir unterwegs. Es war eine wilde, ungeschliffene Zeit. Während die Neue Deutsche Welle noch relativ hoch schwappte, waren in meinem unterfränkischen Heimatstädtchen Bad Königshofen auch die ersten Punks unterwegs. Unser Treffpunkt? Der Luitpoldbrunnen. Dort, wo sich seit jeher die Jugend traf, saßen wir Rocker mit den Punks zusammen, quatschten nächtelang und spielten uns gegenseitig unsere Lieblingssongs vor.

 

Ich kann mich noch verdammt gut an die ersten Tapes erinnern, die damals die Runde machten. Die Opel-Gang lief bei uns rauf und runter. Mit glänzenden Augen erzählten uns die Punks von dieser einen Band aus Düsseldorf, die einfach überall auftrat – sogar mitten in den Wohnzimmern ihrer Fans.

Ein bisschen Punk steckte in uns allen

Wenn ich so zurückdenke, war bei uns allen wohl ein bisschen Punk dabei. Ich selbst lief meistens mit grün gefärbten Haaren und einer passend dazu grün gefärbten Jeans herum. Einer der Punks aus unserer Clique hatte einen riesigen Irokesenschnitt. Der Typ war ohnehin schon groß gewachsen und fuhr einen winzigen Fiat mit Faltdach. Das Dach musste er auch immer offen haben – sonst hätten seine Haare schlichtweg nicht ins Auto gepasst!

Eines Tages bretterte er so schnell am Marktplatz um die Kurve, dass der kleine Fiat tatsächlich auf die Seite kippte. Was macht ein echter Punker in so einer Situation? Er klettert einfach lässig aus dem geöffneten Faltdach, stemmt die Kiste mit Schwung wieder zurück auf die Räder, steigt ein und fährt weiter, als wäre nichts gewesen. Punker halt!

Es war auch die Zeit unserer ersten echten Rockband. Da wir in einer alten, baufälligen Schulbaracke probten, nannten wir uns kurzerhand: Die Barackenband. Eine kleine Randnotiz dazu: Unser Bassist war übrigens genau jener Punker mit dem Irokesenschnitt und dem kippeligen Fiat.

Unser allererster Auftritt war absolut legendär. Nicht etwa, weil wir so unfassbar gut spielten, sondern weil es vermutlich der kürzeste Gig der Musikgeschichte war. Als Special Effect hatten wir uns von den US-Soldaten aus der Gegend für einen Kasten Bier ein paar echte Rauchbomben besorgt. Kaum standen wir für den ersten Song auf der Bühne, zündeten wir die Dinger. Noch während der ersten Spielminute war die Halle so dermaßen eingenebelt, dass alle – inklusive uns Musikern – fluchtartig den Raum verlassen mussten. Auftritt beendet, aber unvergesslich!

Vom Allgäu in den Rock-Olymp

Als es mich dann in den wilden 80ern ins Allgäu zog, feierten die Toten Hosen gerade unter ihrem Pseudonym Die Roten Rosen riesige Erfolge. Ihr Album „Never Mind The Hosen – Here’s Die Roten Rosen“ fand ich damals schon genial. Die Coverversion von „Im Wagen vor mir“ bleibt für mich unvergesslich.

Spätestens 1988 haben sich die Hosen mit dem Album „Ein kleines bisschen Horrorshow“ unsterblich gemacht. Plötzlich lief überall „Hier kommt Alex“. Die Locations wurden gigantisch. Aus vierstelligen Besucherzahlen wurden rasch fünfstellige. Natürlich fühlten sich die eingefleischten Punks der ersten Stunde da schnell auf den nicht vorhandenen Schlips getreten. „Das ist doch kein Punk mehr, das ist Kommerz!“, hieß es an jeder Ecke.

Aus der Punkband wurde in den Medien eine „Deutschrock-Band“, aus der Truppe, die in Wohnzimmern begann, eine der größten Stadionbands des Landes. Sie spielten als Support für Giganten wie U2, die Rolling Stones, die Ramones oder Iggy Pop. Und das Beste daran? Trotz des gigantischen Erfolgs haben sie ihre Wurzeln nie vergessen und spielen bis heute immer wieder spontane Wohnzimmerkonzerte.

Aber nicht nur für ihre Musik habe ich die Hosen ins Herz geschlossen. Ihre klare politische Haltung – auf, vor, neben und hinter der Bühne – fand ich schon immer absolut großartig. Da sind sie für mich immer mutig vorangegangen.

Trink aus, wir müssen gehn...

Ich muss gesundheitlich bedingt täglich Sport machen. Und wisst ihr was? Mittwochs ist auf meinem Player immer absolut heiliger Tote-Hosen-Tag!

Umso emotionaler traf mich dieser Tage die überraschende Nachricht: Ende Mai erscheint ihr wohl letztes Album „Trink aus, wir müssen gehn!“. Und ja, man muss ehrlich sein – als ich die Band neulich im Fernsehen im Studio sah, wie sie das verkündeten, dachte ich mir nur: „Mann, sind wir alle alt geworden.“

Es ist ganz offensichtlich ein Abschied, den Sänger Campino so möchte. Ob gesundheitliche Gründe mitreinspielen, weiß man nicht, aber er hat definitiv vernünftige Argumente für diesen Schritt geliefert. Ist es das endgültige Aus für die Band? Hört man Campino zu, klingt es verdammt danach. Die anderen Bandmitglieder betonen jedoch: Es ist erst einmal „nur“ das Ende der Studio-Arbeit.

Was kommt also jetzt? Ein neues Album, eine Abschiedstournee, die uns bis ins Jahr 2027 begleiten wird – und danach liegt alles im Nebel. Ich denke, wir sollten diese Meldung erst einmal als das nehmen, was sie ist: eine offizielle Ansage. Wir werden sehen, wie und ob es nach 2027 weitergeht.

Deutsch-Punk-Rock auf der Westerngitarre? Ei freilich!

Bis dahin halte ich das Erbe auf meine ganz eigene Weise lebendig. Ich habe nämlich selbst einige Songs der Toten Hosen fest in meinem Live-Set. Manche fragen mich: „Deutsch-Punk-Rock auf einer akustischen Westerngitarre, geht das überhaupt?“

Ei – freilich! Ich sage nur: „Und immer wieder sind es die alten Lieder...“ Genau diese alten Lieder und noch viel mehr gibt es bei meinen nächsten Auftritten zu hören. Wir sehen uns!

📅 Meine nächsten Termine im Allgäu (Spoiler-Alarm!):

  • Morgen (Pfingstmontag, 25.05.2026): Spontaner Gig in Dietringen am Forggensee, direkt am Kiosk Seelust. Kommt vorbei, genießt die Aussicht und die Musik!
  • Donnerstag, 06.06.2026: Live im Ikigai in Kaufbeuren.
  • Donnerstag, 13.06.2026 (Stilwechsel!): Ich packe die E-Gitarre aus und spiele im Worshipteam beim Open Air in der Kaiser-Max-Straße in Kaufbeuren.
  • Freitag, 09.08.2026: Ich bin auf der Allgäuer Festwoche unterwegs und vertrete den E-Gitarristen der großartigen Country-Band TAKE OFF.

Bei mindestens zwei dieser Termine werde ich ganz sicher die eine oder andere eigene Version eines Hosen-Klassikers schmettern.

Trinkt aus, wir sehen uns vor der Bühne! Euer Doc Fetzer