Die Höfelmayr Kapelle

Ein Kleinod über der Wertach und die Wunden der Vergangenheit

Höfelmayr Kapelle
Höfelmayr Kapelle

Wenn man derzeit mit dem Kamera-Equipment im Gepäck die Hänge im Osten von Kaufbeuren hinaufsteigt, liegt eine ganz besondere, fast greifbare Spannung in der Luft. Alles begann damit, dass ich mich im Rahmen eines historischen True-Crime-Projekts intensiv mit der Vergangenheit unserer Stadt auseinandergesetzt und das Buch „Der Fall Höfelmayr“ geschrieben habe – ein Werk, das glücklicherweise direkt in das Kaufbeurer Stadtarchiv aufgenommen wurde. Aus dieser intensiven Spurensuche heraus entstand in Zusammenarbeit mit J.P. Mellenberg die Idee, eine abendfüllende Dokumentation über den Fall zu drehen. Im Zuge dieser Dreharbeiten rückte schließlich die geschichtsträchtige Höfelmayr-Kapelle immer mehr in unseren Fokus – und bot den perfekten Anlass, diesem faszinierenden Ort diesen Beitrag zu widmen.

Wer von der Höfelmayr-Kapelle an der Augsburger Straße ins Wertachtal hinunterschaut, genießt einen der schönsten Ausblicke über unsere Stadt. Doch während wir hier oben an den Szenen feilen, blicken wir nicht nur auf eine Postkartenidylle, sondern tief in eine Geschichte voller Dankbarkeit, bürgerschaftlichem Engagement und tragischer Verbrechen.

Das Gelübde von 1855: Eine Kapelle aus Liebe und Dankbarkeit

Die Geschichte dieses einzigartigen neugotischen Bauwerks beginnt mit einer persönlichen Sorge und einem tiefen Versprechen. Im Jahr 1855 erkrankte Katharina Höfelmayr, die geliebte Frau des wohlhabenden Gutsbesitzers Johann Nepomuk Höfelmayr, schwer. In seiner Verzweiflung gelobte der damals 40-Jährige bei einer in Würzburg erhofften Genesung, „Maria zu Ehren und Gott zum Danke“ eine Kapelle zu errichten. Tatsächlich trat die Genesung ein, und Höfelmayr löste sein Versprechen 1858 ein, indem er die Kapelle auf einem Hochufer erbauen ließ. Im Altar eingemeiselt zeugt noch heute die Inschrift von diesem bewegenden Ursprung.

Tragisches Ende: Wenn der Traum zum Albtraum wird

Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit den Höfelmayrs. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Johann Nepomuk Höfelmayr im Alter von 51 Jahren die erst 18-jährige Franziska Pachmayr. Es sollte keine glückliche Verbindung sein. Am 10. Oktober 1870 endete das Leben des Gutsbesitzers auf tragische Weise: Aus Habgier wurde er von seinem erst 19-jährigen Schwager Otto Pachmayr in einem Waldstück am Eybach ermordet. Ein bis heute mahnendes Zeugnis dieser Bluttat ist das steinerne Denkmal, das sein Sohn Max aus erster Ehe errichten ließ.

 

 

 

 

 

 

Frau Gertraud Spindler: Die gute Seele der Kapelle

Durch einen wunderbaren Zufall durfte ich vor Beginn unserer Dreharbeiten Frau Gertraud Spindler kennenlernen – eine Begegnung, die unsere Arbeit von Grund auf bereichert hat. Bereits 1983 hat Frau Spindler unaufgefordert damit begonnen, die Höfelmayr-Kapelle sauber zu halten, weil es ihr ein tiefes Bedürfnis war. „Es war immer recht schmutzig dort. Da habe ich mir einen Besen und einen Eimer geschnappt!“, erzählte sie mir und begründete damit ihr stilles Ehrenamt. Für J.P. Mellenberg und mich war sie eine unschätzbare Stütze: Sie stellte uns zahlreiche wertvolle Unterlagen über die Kapelle zur Verfügung und vertraute uns sogar den Schlüssel an. Dadurch waren wir überhaupt erst in der Lage, auch das wunderbare Innere des Kirchleins mit all seinen Details in unsere Dreharbeiten einfließen zu lassen.

Besonders spannend und schaurig zugleich: Die Kapelle steht auf dem Tatort eines noch viel älteren Mordes – doch dazu bald an anderer Stelle mehr.

 

  

Aktuelles vom Set:

Genau diese faszinierenden Facetten – von der romantischen Entstehungsgeschichte über die dramatischen menschlichen Abgründe bis hin zur liebevollen Rettung und Pflege durch Menschen wie Frau Spindler – fangen J.P. Mellenberg und ich derzeit für unsere Dokumentation ein. Zwischen Kamerafahrten, historischen Aktenstudien und packenden Interviews an Originalschauplätzen erwacht die Geschichte zu neuem Leben.

Unsere Dreharbeiten laufen nach wie vor auf Hochtouren. Da die Aufarbeitung dieser historischen Spurensuche extrem tiefgreifend ist und wir absolut saubere Arbeit abliefern wollen, gehen wir momentan davon aus, dass der Film frühestens Anfang 2027 fertiggestellt sein wird. Bleibt gespannt – es bleibt spannend im Allgäu!

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Als Trostpflaster gibt es hier noch ein paar Impressionen von gestern: